Alles hat ein Ende nur die Wurst hat Zwei

Juni 4, 2009 7 Comments

Etwas überraschend hat das Wählerbündnis AUF seine Fraktionsgemeinschaft mit der “Linken Alternative” (ehemals PDS, ehemals LINKE) einseitig aufgekündigt. Somit wird ein neues Kapitel im stetig andauernden Possenspiel der Gelsenkirchener linken Gruppen aufgeschlagen.

“…beim Hungern und beim Essen. Vorwärts nie vergessen. Die Solidarität!”
Die vielbesungene Solidarität hat die AUF dann aber doch mal fix vergessen. Wurde die Fraktionsgemeinschaft PDS/AUF seinerzeit noch von den PDS-Mandatsträgern mit Zähnen und Klauen verteidigt, u.a. gegen eigene parteiinterne Kritiker (wie damals noch mich übrigens), so dankt es die AUF der Ex-PDS (heute DLA) nun damit dass sie diese schneller fallen lässt als einen Sack heiße Kartoffeln.

Man ist schon fast versucht beim Verfassungsschutz anzurufen und dort Entwarnung zu geben: “Keine Panik Schlapphüte, die MLPD ist nun endlich in der parlamentarischen Demokratie angekommen!”.
Zumindest in den verkommenen Bereichen derselben.

Die Begründungen der AUF sind jedenfalls hanebüchen und können getrost beiseite geschoben werden. Ausgerechnet die “abstoßenden Auseinandersetzungen” werden nun als Trennungsgrund angeführt – Auseinandersetzungen welche AUF zuvor mehr als drei Jahre hinweg u.a. zu eigenem Vorteil gerne in Kauf genommen hat.

Und so zeichnet sich das Bild einer kühl kalkulierenden straff organisierten Truppe die sich taktisch in die für sie günstigste Position vor der nächsten Kommunalwahl manövriert. Was völlig normal wäre wenn nicht zugleich der Anspruch vertreten würde “anders” bzw. moralisch hochwertiger zu sein.

Wer freaky genug ist sich für das Thema zu interessieren stößt alsbald auf einige interessante Entwicklungen bei AUF. Sei es die immer weniger kaschierte Aufstellung von MLPD Funktionären auf den vorderen Listenplätzen zur Kommunalwahl. Sei es der kolportierte Parteibeitritt des AUF-Geschäftsführers in die “LINKE” Gelsenkirchen.

Zielrichtung: Die LINKE
Noch Spekulation, allerdings eine naheliegende Spekulation, ist die gemunkelte Information die AUF plane eine neue Fraktionsgemeinschaft für das Jahr 2009. Und zwar wieder mit einem Partner den sie inhaltlich und organisatorisch zu dominieren gedenkt und dessen Ratsmandate als Stimmvieh für die Interessen der AUF eingebunden werden sollen. Ähnliches wurde der AUF bereits hinsichtlich der Fraktionsgemeinschaft 2004 mit der PDS unterstellt. Nicht ganz zu Unrecht wie die Praxis zeigte.

Gesucht wird also eine politische Gruppe die man aufgrund fehlender kommunalpolitischer Kompetenz und einem Schuß Greenhornnaivität in der nächsten Legislaturperiode hübsch am Nasenring durch den Stadtrat ziehen kann.
Deren Mandate die donnernden Auftritte des für den Rat auf AUF-Liste kandidierenden MLPD Vorsitzenden Engel substanziell unterstreichen.
Gesucht wird die gegenwärtige Gelsenkirchener LINKE.

Es steht völlig außer Frage das die LINKE zur Kommunalwahl in den Rat einziehen wird, sämtlichen unwürdigen Selbstzerstörungsversuchen zum Trotz.
“Wir könnten derzeit eine Zeltstange zur Wahl aufstellen und sie würde trotzdem gewählt” (Zitat, Landesvorstandsmitglied Die LINKE.NRW)
Es steht ebenso außer Frage das die “Linke Alternative” das Ergebnis der LINKEn nicht übertreffen wird. Die Neuausrichtung von AUF ist also folgerichtig.

Um nach der Kommunalwahl für die Vereinnahmung der LINKEn bereitzustehen muss mit dem vormaligen Partner und “Erzfeind” eben dieser LINKEn nun hübsch und laut ein Bruch inszeniert und zelebriert werden. Es wird jedenfalls interessant sein die weiteren Entwicklungen um AUF herum zu betrachten.

Am einfachsten wäre aber natürlich die AUF würde schlicht ergebnistechnisch aus dem Rat verschwinden. Man darf ja mal hoffen.

Das DLA orientierte Blog “Rtoer Emscherbote” dazu

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7 Comments to “Alles hat ein Ende nur die Wurst hat Zwei”
  1. Knut sagt:

    Sehr schön und kenntnisreich Dennis, Hut ab!
    Allerdings gehe ich davon aus, das DIE LINKE eine eigene Fraktion im Rat (3 Leute) schafft und AUF dafür nicht brauchen wird.

  2. Patrick Jedamzik sagt:

    Der Zeitpunkt ist schon recht eindeutig. Wenn das gültig wird Ende Juni, gibt es eh nichts mehr kommunalpolitisch zu entscheiden, denn die Sommerpause steht an gefolgt von der Kommunalwahl und einem neuem Rat.

  3. crömagnön sagt:

    Passt schon. MLPD hat keine Lust, Kapitalismus zu erhalten. Kann die Linkspartei gerne weiter machen und die SPD ablösen.

    Und Grüne sollten sich da lieber raushalten. Haben eh noch viel Blut im Gesicht dank des völkerrechtswidrigen NATO-Angriffskriegs 1999.

  4. In dem Versuch hier den Mund zu verbieten zeigt sich 1 zu 1 die Denke jener Truppe welche die Vorgänge in der KPDSU nach Stalins Tod als Verrat am “echten Sozialismus” betrachten.
    Natürlich hat die MLPD keine Lust den Kapitalismus zu erhalten. Die MLPD hat augenscheinlich auf gar nichts Lust außer Spenden einzutreiben und Fanartikel zu verkaufen. In der programmatischen Theorie hingegen sind Dinge geplant bei der sich Rosa Luxemburg die toten zehennägel aufrollen würden.
    Da erwartet die Bevölkerung der Welt eine “Diktatur des Proletariats”, ausgeführt durch die erleuchtete Partei MLPD, die uns solange erzieht und führt bis wir alle die “Denke” des einzigen, wahren, echten, ganz echten, diesmal aber so richtig echten Sozialismus verinnerlicht haben.
    Das bedeutet konkret Knast, Umerziehung oder Schlimmeres für alle subversiven oder konterrevolutionären Elemente.

    Das Schöne an sich ist das es mittelfristig möglicherweise einen einsetzenden Kommunismus geben wird. Das zweitschönste direkt danach ist das die fossilen Relikte des Orthodoxkommunismus dabei niemals irgendeine Rolle spielen werden.
    Geh singen.

  5. crömagnön sagt:

    …und das sagt ein orthodoxer staatstragender Staatssozialist. Nö, wer Kapitalismus abfeiert, der brauch auch Rosa nicht zu erwähnen. Aber bitte… Regiert weiter fleißig mit. Ist halt einfacher.

  6. David Lopez sagt:

    Hallo Dennis,

    toller Artikel. Sehr lesenswert!

    @crömagnön der Experte

    Ich glaube du wirst hier nur ganz wenige Leute finden die den Kapitalismus, vor allem in seiner jetzigen Art “abfeiern”. Trotzdem stärken wir eurer Sekte nicht den Rücken, weder bei den Wahlen noch im allgemeinen. Und die Art und Weise wie AUF/MLPD die Fraktionsgemeinschaft gekündigt hat, gibt vielen Leuten Recht die vorher schon nichts von diesem Verein gehalten haben.

  7. Sie gibt vor allem vielen Leuten Recht das hinter dem Geschwafel dieser Nasen noch nicht einmal Überzeugung steckt.
    Ich werde weniger ungern vom Kapital beherrscht als von crömagnön.
    Geh singen.

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Geschrieben von

Dennis Bartel ist zwei Jahre lang in der WASG/PDS gewesen und fand 2007 seinen Weg zu den Grünen. Er kandidierte zur Kommunalwahl 2009 auf Platz 8 der Ratsreserveliste. Beruflich ist Systemadministrator in einem mittelständischem Unternehmen.









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