Die Grüne ist nicht grün

Es ist grundsätzlich schon ein seltsamer Artikel in der aktuellen Vice, bei dem einige junge Damen auf Bildern posieren, drüber Angaben wie "Top von 55DSL, Unterhose von BENCH, grüner Nagellack LIL von USLU AIRLINES" zu finden sind und drunter dann eben auch SOPHIE BUNGE, 22, Bündnis 90/Die Grünen mit einem kurzen Interview aus 2-3 Fragen. Unter Vice Facion – Wähl mich stellt die Zeitung eine Vertreterin jeder der großen fünf Parteien vor (zunächst war auch die NPD geplant – "wegen dem Layout"), wieso sie sich politisch engagiert. Nun gut, auch wenn ich damit nicht viel anfangen kann und mich diese exzessive Nennung von Markennamen eher abschreckt als anspricht, soll man jedem das seine lassen – wäre da nicht eine Geschichte hinter der Geschichte…

Denn Sophie Bunge ist nicht bei den Grünen. Auch nicht bei der Grünen Jugend. Sie wurde auf der Straße aufgesammelt, als die Grüne Jugend und Jusos sich weigerten an der Aktion teilzunehmen. Grund für die Ablehnung war die Forderung nach "fashion-stlye". Im Grünen Jugend Blog kann man die Anfrage der Zeitung nachlesen:

Wir nehmen jede große und relevante Partei in Deutschland und lassen unsere Fotografin, … , ein Mädchen aus diesen Parteien Fotografieren. Dafür haben wir natürlich auch eine Stylistin. Das Mädchen muss nicht „posen“, wir dachten uns eher, dass wir sie an einen Ort nehmen, den sie mag. Ich habe schon am Telefon erklärt, dass das Mädchen gut aussehen sollte, weil hier Aesthetik ein wichtiger Faktor ist.

Die gut aussehende Frau sollte dann eben Größe 27 tragen. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, was einem diese mystische Zahl einem sagen soll, aber in einer Grüne Jugend Email wurde es als Größe in der 7. Klasse angeben. Da ist es nur verständlich, dass man sich nicht beteiligt und einem Schönheitswahn noch huldigt. Tja, anstatt diesen politischen Protest von Jusos und Grüne Jugend zu bringen, wurde einfach jemand von der Straße genommen. Ich will Sophie dabei noch nicht mal einen Vorwurf machen oder ihr Absprechen pro-Grün zu sein, aber es ist eben etwas anderes, ob nun ein Sympie oder ein Mitglied dort steht und diese quasi repräsentiert.

Aber man merkt auch an früheren Ereignissen, dass die Zeitung von politischer Berichterstattung nicht viel versteht – vielleicht gar von normalen Journalismus nicht, schrieb sie doch nach Sebastian Brux in einer Ausgabe zur Berliner Geschichte:

“Juden – Oh oh, wir haben’s gesagt. Wir haben es ausgeschrieben J-U-D-E-N. Dafür dass die meisten von ihnen umgebracht wurden, sind sie hier so ziemlich überall präsent. Neben den paar tausend Juden, die tatsächlich in Berlin leben (…), findet man ein jüdisches Museum, goldene Pflastersteine auf der Straße und Gedenktafeln, die an jüdische Ärzte, Anwälte und Intellektuelle erinnern.“

Schon ziemlich heftig und mit deren Reaktion im Kommentar, wo sie dieses als Satire der "dritten Generation" (21-35 Jährige) darstellte, ist es nicht getan. Ich bin sicher kein Fan von radikalem Political Correctness, aber diese Zeitung sollte wirklich lieber die Hände von Politik und Geschichte lassen und vielleicht mehr über den "weißen Nagellack PAC von USLU AIRLINES" schreiben. Davon verstehe ich zwar nichts, aber soviel kann man da journalistisch bestimmt nicht falsch machen, oder?

(Ursprünglich veröffentlicht bei PatJe.de)

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Patrick Jedamzik ist Kreisgeschäftsführer der GRÜNEN. Kommunalpolitisch ist er Bezirksvertreter in Gelsenkirchen-Mitte und Sachkundiger Bürger im Kreispolizeibeirat. Neben seinen politischen Engagement studiert er Politikwissenschaften, Geschichte und VWL an der Universität Duisburg-Essen.

1 Kommentar bis jetzt

  1. PatJe.de » Die Grüne ist nicht grün sagte am  Januar 13th, 2008   22:28

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