Flugblatt ProNRW

Dezember 5, 2008 3 Comments

Nachdem ich am Dienstag eine vierseitige Postwurfsendung von Pro NRW gegen den Moscheebau in Buer in unserem Hausflur fand, hatte ich erst überlegt, ob man dazu Stellung bezieht und darüber bloggt, oder ob man diesem Geschreibsel zuviel Aufmerksamkeit schenkt. Andere Dinge haben dazu geführt, dass ich mich dieser Frage am Ende zeitlich garnicht mehr stellen brauchte. Und nun ist die Aufmerksamkeit schon da und vielleicht ist es auch ganz gut so. In mehreren Berichten (hier der letzte) hatte die WAZ bereits darüber berichtet und – unter anderem – von Grüner Seite ist mit einer Pressemitteilung Stellung bezogen worden. Eigentlich ist damit schon alles gesagt, dennoch noch einige Anmerkungen.

Die wichtigste Zuerst: Pro Gelsenkirchen geht es nicht um die Moschee in der Schüngelbergsiedlung. Es geht dieser Vereinigung von Rechtspopulisten (so bezeichnen sie sich ja selber) nicht um eventuell vorhandenen Verkehrs- oder Parkprobleme eines solchen Bauprojekts. Pro Gelsenkirchen geht es darum, dass ein Teil unserer Mitbürger hier nichts zu suchen habe. Und da die Aussage „Ausländer raus” wahrscheinlich zu offensichtlich rechtsradikal (und volksverhetzend) ist, greift man solche Bauprojekte heraus. Entlarvend sind dabei alleine schon die vorgebrachten Gründe gegen den Moscheebau:

So werden Moscheen in Punkt zwei als „politische Machtdemonstrationen” dargestellt, weil sie die Aussage beinhalten „Wie sind hier und wir bleiben hier!”. Natürlich steckt diese Aussage hinter einer Moschee, niemand baut sich ein (Gottes-)Haus, wenn man kurz darauf das Land verlässt. Und genau das stört Pro Gelsenkirchen. Die Menschen dürften sich nach deren Ansicht hier keine Moscheen bauen und sich nicht zu heimisch einrichten, denn sonst gehen sie nicht. Ausgrenzung ist das Motto dieser Gruppe, die sich dann noch ernsthaft über Parallelgesellschaften aufregt. Wenn man nicht aufgenommen wird, wieso sollte man es dann versuchen sich zu integrieren?

Aber mal abgesehen von dieser mangelnden Logik und der ausländerfeindlichen Einstellung hinter diesen Aussagen, versucht der Flyer auch Ängste zu schüren, als würde eine solche Moschee zwangsläufig fanatische islamistische Terroristen nach Gelsenkirchen locken. Ich wage einfach mal die These, dass Terroristen keine Moschee brauchen, um sich zu verabreden. Im Gegenteil: Die Terroranschläge in Indien beispielsweise hatten ihre Ursache in einer mangelnden Integration der muslimischen Bevölkerung, die sich dort – wohl zu Recht – unterdrückt fühlt und dies als „Katasylator” nutzt. Ich will damit nicht das Verbrechen dort rechtfertigen, sondern nur deutlich machen, dass mangelnde Integration zu Frust führt und man hierfür sicherlich keine Moscheen braucht. Aber mal abgesehen davon möchte ich nur kurz darauf hinweisen, dass rechte Parteien auch Anlaufpunkt für Gewalttäter jeder Colour seien können und anders als in den Fällen der Moscheen wird dies sogar ausdrücklich gefördert. Beispiele dafür gibt es immer wieder unter npd-blog.info.

Ach, jetzt hab ich doch so viel über dieses Papier geschrieben und wahrscheinlich könnte man gegen jedes der „Argumente” noch einiges schreiben, aber ich denke die Grundtendenz ist eindeutig geworden. Pro Gelsenkirchen interessiert sich im Prinzip garnicht für die Menschen in der Schüngelbergsiedlung. Es versucht nur diese Menschen gegen die Muslime in der Region zu nutzen. Die Vertreter aller demokratischen Parteien in der örtlichen Bezirksvertretung versuchen viel engagierter die berechtigten Interessen der Anwohner mit dem verfassungsmäßigen Grundrecht auf freie Religionsausübung und den rechtlichen Rahmenbedingungen eines Bauvorhabens in Einklang zu bringen, als es ein Herr Hauer könnte oder wollte.

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3 Comments to “Flugblatt ProNRW”
  1. [...] von mir könnt ihr auf dem Grünen Blog nachlesen und natürlich gerne kommentieren. Zum einen geht es um etwas ganz lokales, nämlich um ein Flugblatt von Pro NRW gegen einen Moscheebau in [...]

  2. Malte sagt:

    Schön das die Parteien in GE Stellung beziehen, wichtig ist aber auch, das weiter Druck auf Hauer und Pro-GE ausgeübt wird und das die Bürger über “die” aufgeklärt werden!

    M.

  3. Patrick Jedamzik sagt:

    Hallo Malte, eins unserer Wahlziele ist es Pro Gelsenkirchen möglichst klein zu halten, also werden wir – gemeinsam mit anderen – weiterhin den Druck gegen Pro Gelsenkirchen aufrecht halten und die Bürger informieren.

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Geschrieben von

Patrick Jedamzik ist Kreisgeschäftsführer der GRÜNEN. Kommunalpolitisch ist er Bezirksvertreter in Gelsenkirchen-Mitte und Sachkundiger Bürger im Kreispolizeibeirat. Neben seinen politischen Engagement studiert er Politikwissenschaften, Geschichte und VWL an der Universität Duisburg-Essen.









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