Jugendblock auf der 1.Mai Demo

Die Demo zum Tag des Arbeit ist eine alte Tradition. Und es ist der Tag, wo Interessen der Arbeitnehmer nochmals im Zentrum der politischen Aufmerksamkeit stehen (sollten). Aber wenn man ganz ehrlich ist, war die eigentliche Veranstaltung doch nicht grade die aufregenste im Jahresplan. Insbesondere bei Jugendlichen kam es sicherlich nicht sonderlich gut an, fast 30 Minuten einfach nur durch die Straßen zu ziehen, begleitet von der fröhlichen Marschmusik einiger Spielleute einer Zeche vorne und ganz hinten den Reden einer Partei mit vier Buchstaben (alternativ auch mal als „Bürgerinitiative AUFtretend), deren Wirkung eben in der Flucht nach vorne lag.

Heute jedenfalls sollte sich dies ein wenig ändern: Als zweiter Block der Demo trat nämlich der sogenannte Jugendblock auf, bestehend aus Grüner Jugend, Falken, Jusos und der Schokofront (und sicherlich auch den ein oder anderen Jugendlichen, die damit nicht ausgeschlossen werden sollen :D ). Hinter dem Transparent „Uns reichen keine Krümmel – wir brauchen die ganze Bäckerei“ versammelte sich also eine größere Anzahl junger Menschen, die unter anderem auch mit dem Schlachtruf „Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut“, den Forderungen nach kostenloser Bildung und dem Anspruch eines selbstbestimmten Lebens ihre Interessen laut deutlich machten. Und dies im wörtlichen Sinne: Immer wieder wurden die entsprechenden Rufe angestimmt und mit zusätzlicher musikalischer Beschallung wurde auch für gute Stimmung gesorgt – wobei das Wetter sicher auch nicht zu unterschätzen hierbei ist :)

1. Mai Demo 2009 Gelsenkirchen - Jugendblock

Aber nicht nur durch Musik und Sprechchöre lockerte das Bündnis die Demo auf, sondern auch durch kleine Aktionen: Mal blieb man ein wenig stehen und vergrößerte den Abstand zur vorne laufenden Gruppe, um dann nach einem Countdown rennend aufzuschließen. Vor dem Amtsgericht wurde unter dem Ruf „Wer nicht sitzt, der ist für Armut“die Straße für einige Sekunden besetzt, bis man ebenfalls schnellen Schrittes wieder zur Demo aufschloss.

1. Mai Demo 2009 Gelsenkirchen - Jugendblock

Kurz darauf erreichte man dann auch den Heinrich-König Platz, auf dem die Kundgebung zum 1.Mai stattfand. Dort verteilte sich das Bündnis etwas weitläufiger und für mich bedeutete es, sich auch langsam auf den Heimweg zu machen, denn eine Stunde später musste ich im Zug sitzen, um in Berlin am Politcamp teilnehmen zu können. Mehr über den Infostand der Grünen dort, wird Wolfgang noch schreiben, der dort mit Franz die Stellung gehalten und unseren Flyer verteilt hatte.

1. Mai Demo 2009 Gelsenkirchen - Jugendblock

Das Ereignis des Tages war aber definitiv vor der Demo ein Passant, der sich das Transparent anguckte und mit einem Fingerzeig auf das durchgestrichene Hakenkreuz nur meinte: „Das ist ja alles veraltet.“ Ich – daneben stehend – dachte erst jetzt beginne die Diskussion darüber, dass es ja keine Nazis mehr gäbe (alles schon erlebt), aber nein: Der Grund für diese Aussage offenbarte sich bei der nächsten Frage dieses Herrn: „Wie lange wollt ihr denn noch zahlen?“ Bäm…hatte dann doch eine andere Ausrichtung – eine völlig andere. Versuche den Menschen davon zu überzeugen, dass dies ja nicht so sei und so weiter waren damit eigentlich von Beginn an zum Scheitern verurteilt, was aber kein Grund sein sollte es nicht zu versuchen. Aber wenn ich euch die weiteren Argumente mitteile, wird deutlich, dass da nichts mehr zu machen war: Wir wären sowieso alle schwachsinnig, hätten keine Ahnung und ich solle doch mal lieber arbeiten gehen. Das wars. Naja, in einem solchen Fall ist weggehen und sich drüber lustig machen fast das sinnvollste. Wenn es nicht so traurig wäre, dass einige noch immer so einen Blödsinn glauben.

Zum Abschluss sei noch den anderen Organisationen im Rahmen des Jugendbündnis und den Organisatoren ausdrücklich gedankt und das Lob für diese Demo ausgesprochen. So macht es sicherlich auch jüngerem Publikum wieder mehr Spaß sich auf der Straße zu zeigen und gegen die Missstände in unserem Land zu demonstrieren.

Ansonsten noch der Verweis darauf, dass an anderer Stelle die Demo des DGB durch Nazis angegriffen wurde.

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Patrick Jedamzik ist Kreisgeschäftsführer der GRÜNEN. Kommunalpolitisch ist er Bezirksvertreter in Gelsenkirchen-Mitte und Sachkundiger Bürger im Kreispolizeibeirat. Neben seinen politischen Engagement studiert er Politikwissenschaften, Geschichte und VWL an der Universität Duisburg-Essen.

7 Kommentare

  1. PatJe.de » Alles neu macht der Mai… sagte am  Mai 1st, 2009   19:12

    [...] verwiesen, denn neu an diesem 1.Mai war auch der Jugendblock bei der entsprechenden Kundgebung und mehr darüber findet ihr auf Grünes Gelsenkirchen. Dort gibt es auch einen kleinen Bericht dazu, dass in Dortmund die Kundgebung des DGB nicht so [...]

  2. Malte sagte am  Mai 1st, 2009   22:18

    Danke für den Bericht, denn in der WAZ finde ich nur das übliche Blabla. Auch schön, das sich jemand um die Jugend kümmert, es wäre fatal, sie an die “falsche” Seite zu verlieren!

    Malte

  3. Taner sagte am  Mai 1st, 2009   22:30

    Den Dank nehme ich gerne als Juso an und gebe ihn auch gerne zurück, wir waren alle zusammen super ;) .

  4. [...] In Gelsenkirchen hatten wir mehr ‘Glück’: Mit dem frischen Jugendblock der Falken, Grünen Jugend, Schokofront und den Jusos Gelsenkirchen haben wir auch frischen Wind in die Demonstration zum Ersten Mai gebracht. Diesmal waren wir der Hingucker und wir Jugendlichen konnten zusammen die Leute einfach darauf aufmerksam machen, was wir wollen: “Wir sind hier und wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut!”. Einen ausführlicheren Bericht zum Jugenblock und einige Fotos gibt’s hier. [...]

  5. Bernd Matzkowski sagte am  Mai 2nd, 2009   11:33

    habt ihr wirklich gut gemacht, war belebend und erfrischend für die demo, großes lob also bernd(alter elefant)

  6. Dennis Bartel sagte am  Mai 2nd, 2009   13:49

    Saubere Perfomance, Lob an die Igel und Mighty Paul ;)

  7. Irene Mihalic sagte am  Mai 3rd, 2009   17:17

    Habt ihr super gemacht. Bin wirklich begeistert!!! Schade, dass ich nicht dabei sein konnte…hätte das zu gern live erlebt. Die Berichterstattung ging ja leider nicht über das “Übliche” hinaus. Deshalb noch Danke Patrick für den anschaulichen Beitrag hier.

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