Letzte Hemden auf der Leine

“Das letzte Hemd hat leider keine Taschen” sang einst Hans Albers und drückte dazu kräftig die Tasten seines Schifferklaviers. Mag ja sein, aber manche letzte Hemden tragen auch Forderungen wie “Herz statt Hartz” oder “Reiche besteuern”. Zu sehen gab es die Kleidungsstücke am Freitag (20. 8. 10) auf dem Bahnhofsvorplatz.

Anlass der gelungenen Aktion war das sog. “Sparpaket” der schwarz-gelben Bundesregierung, das vor allem Erwerbslosen und sozial schwächeren Menschen Kosten aufbürdet. Hier wird mal wieder gekürzt und von unten nach oben umverteilt. Das Industrie- und Sozialpfarramt (ISPA) und die Hartz IV-Selbsthilfegruppe ließen daraufhin die Wäscheleine spannen und gaben Gelegenheit zur Hemdbemalung. Dabei wird es nicht bleiben. Letzte Hemden aus ganz Deutschland werden nach Berlin geschickt und zu Tausenden vor dem Reichstag aufgespannt als Mahnung für eine solidarische Gesellschaft.

Wer teilnehmen möchte, kann noch bis zum 10. September sein beschriftetes letztes Hemd beim ISPA abgeben (Pastoratstraße 10, GE-Altstadt, am Markt). Im Internet läuft die Aktion unter www.campact.de

WAZ-Artikel:

http://www.derwesten.de/staedte/gelsenkirchen/Gebt-her-euer-letztes-Hemd-id3586586.html

Über das ISPA:

http://www.kirchegelsenkirchen.de/ispa.html

Blog:

http://www.ge-hartz4.de/wordpress/

(Das Bild auf der Startseite stammt von der entsprechenden Campact! Aktion)

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Wolfgang Kueppers ist Kreiskassierer des Kreisverbandes Bündnis 90 / Die Grünen. Seine politisches Interesse gilt besonders der Ökologie, daneben auch der Arbeits- und Sozialpolitik sowie kommunalen Finanzen. Er ist 41 Jahre alt und arbeit als Sachbearbeiter beim Landesbetrieb Straßenbau NRW in Bochum.

2 Kommentare

  1. Franz Schart sagte am  September 2nd, 2010   16:45

    Siehe
    http://www.campact.de/spar/wk1/wkmail

    Folgende E-Mail-Vorlage kann von Ihnen nach Auswahl eines Abgeordneten versendet oder noch individuell angepasst werden:

    Betreff: Gerechte Steuerpolitik statt unsozial streichen

    Sehr geehrte/r Frau/Herr MdB,

    demnächst entscheiden Sie im Bundestag über das Sparpaket der Regierung. Ich halte die Sparbeschlüsse für sozial völlig unausgewogen, denn sie belasten einseitig Erwerbslose, Geringverdienende und Familien. Spitzenverdiener/innen und Vermögende werden verschont, obwohl sie vor der Wirtschaftskrise von riskanten Geschäften an den Finanzmärkten überproportional profitiert haben. Diese Politik steigert soziale Ungleichheit und untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.

    Als Abgeordnete/n aus meinem Wahlkreis fordere ich Sie auf: Setzen Sie sich im Bundestag dafür ein, dass die angekündigten Kürzungen im Sozialressort nicht umgesetzt werden. Gestalten Sie stattdessen eine gerechte Steuerpolitik. Beteiligen Sie auch Spitzenverdiener/innen und Vermögende über einen höheren Spitzensteuersatz und eine Vermögensteuer an der Haushaltssanierung. Auch die Verursacher/innen der Krise müssen über eine wirksame Finanztransaktionssteuer deutlich stärker als geplant an den Kosten beteiligt werden!

    Ich freue mich auf Ihre Antwort.

    Mit freundlichen Grüßen

  2. Franz Schart sagte am  September 2nd, 2010   16:50

    Sauerkraut zum Döner!

    Der Medienfall Sarrazin: Wie ein Bundesbankvorstand zum Genetiker mutierte

    SPD-Mann Thilo Sarrazin, auch er ein Recke in der Riege selbsternannter Tabubrecher und Wahrheitsaussprecher, wartet in seinem neuen Werk mit nur allzu bekannten Vorurteilen auf und inszeniert sich mal wieder als Volkes
    Stimme. Auffällig ist, wie offen dafür von der Bild-Zeitung geworben wird.
    Redaktioneller Teil und Werbung sind leider nicht voneinander getrennt worden – kein Indiz für guten, informierenden Journalismus. Hat Herr Sarrazin für diese millionenfache Reklame eigentlich bezahlt, die ihm eine Menge Geld bringen wird?

    Im Buch selbst wird in weiten Teilen Stimmung gegen Minderheiten (Migranten, Arbeitslose, Unterschichten) gemacht mit dem donnernden Schlachtruf “Wir Deutsche sterben aus”. Was ist denn eigentlich typisch deutsch und was nicht? Sauerkraut zum Döner? Verändern sich denn Nationen nicht im Laufe der Jahrhunderte? Zumal der Begriff der “Nation” erst im Zuge der Aufklärung im 18. Jahrhundert entstand und mit dem Einzug napoleonischer Truppen nach Deutschland gelangte. Und ist nicht Deutschland immer ein Einwanderungs- und Durchgangsland gewesen? Und wer oder was ist das geheimnisvolle Subjekt “wir”?

    Mittlerweile hält Sarrazin Nationen für genetisch bedingt … Oder ist das auch nur Marketingstrategie? Sarrazin behauptet, eine solche Masseneinwanderung wie heute habe es in Europa noch nie gegeben. Er übersieht dabei die Zeit der Völkerwanderung, also etwa fünf Jahrhunderte, den dreißigjährigen Krieg usw. Auch bei den Römern waren z.B. syrische Bogenschützen in Xanten am Niederrhein stationiert zwischen Galliern, Germanen u.v.a. Und letztendlich wanderte homo sapiens einst von Ostafrika aus in die ganze Welt. Selbst der Name Sarrazin scheint doch nicht so richtig urdeutsch zu sein. Die vom Bundesbankvorstand. aufgestellte einfache Gleichung “Bildung = sozialer Aufstieg = Erfolg” stimmt nicht; die Bedingungen haben sich gründlich verändert (“Überqualifizierung”). Außerdem widerspräche dies der Sarrazinschen Genetik. Da muss man sich schon entscheiden, was genau gelten soll.

    Sarrazin u. a. stehen für einen Trend in der entfalteten Konkurrenzgesellschaft, die Einheit nur stiften kann, wenn andere Gruppen diskriminiert werden. Der Niedrigverdiener kann z.B. auf den Arbeitslosen herabblicken und daraus den “Sinn” seiner Existenz konstruieren (“Ich bin mehr wert!”). Darin liegt hauptsächlich die Emotionalität in dieser Debatte begründet. Je weniger Arbeit es gibt, desto stärker wird der veraltete Arbeitsbegriff betont. Von Gleichheit der Menschen kann keine Rede sein. Die Hauptquelle der Desintegration sind und bleiben also Massenarbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und Unterbezahlung.
    Der Hobbygenetiker Sarrazin vertritt offenkundig ein ebenso veraltetes wie widerlegtes biologistisches Weltbild. Der Mensch ist nach seiner Meinung zu 80% und mehr von den Genen bestimmt. Mittlerweile ist das gesamte menschliche Genom entschlüsselt: Ein Intelligenzgen fand sich nicht. Auch kein Bankmanagergen oder Genetikergen oder Judengen oder Baskengen. Das ist schlicht Quatsch! Wer so etwas dennoch behauptet, der muss in einer (un)geistigen Parallelgesellschaft leben oder er hat eine besondere Marketingstrategie. Herrn Sarrazin wird auch nicht verboten, seine Meinung zu sagen – das macht er reichlich. Aber eine Stilisierung als Märtyrer ausgerechnet der Wahrheit hat er nicht verdient.

    Doch eine Frage schwebt über allen anderen: Warum nur kaufen sich Menschen
    ein Buch ausgerechnet von Thilo Sarrazin und nicht z.B. von Goethe oder Schiller? – Da schweigt des Sängers Höflichkeit …

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