attac-Aktion: Karten auf den Tisch! – Keine sozialen Zumutungen
Das Finanzkarussell dreht sich immer schneller, die Summen werden immer atemberaubender: Etwa 620 Milliarden Euro (!) gibt die Bundesregierung zur Krisenbewältigung aus. 500 Mrd. Euro sind für Banken gedacht, die sich verzockt haben. 120 Mrd. Euro gehören zu einem Deutschlandfonds, der Pleitefirmen helfen soll. Das kann auch noch mehr werden, doch im Wahlkampf kommt das Thema bisher nur am Rande vor; attac fordert deshalb: Die Parteien sollen offenlegen, wer für die Krise aufkommen muss! Es muss klar sein, wer diese enormen Summen wie zahlen muss. Hier ist von dem Verursacherprinzip auszugehen, das ja auch im normalen Leben gilt und uns allen bekannt ist: Wer für den Schaden gesorgt hat, soll ihn auch bezahlen. Das nennt man wirtschaftliche Verantwortung und Vernunft.
Ein besonders bitteres Kapitel schreibt die Hypo Real Estate (HRE), die bisher mit mehr als 100 Milliarden Euro Steuerzahlergeld unterstützt wurde. Dazu nur ein kleiner Zahlenvergleich: Das Arbeitslosengeld 2 (“Hartz IV”) soll für das Jahr 2010 ca. 44,6 Mrd. Euro betragen, die Steigerung der Erwerbslosenzahlen bereits eingerechnet.
Ein Untersuchungsausschuss des Bundestags musste die Arbeit in Sachen HRE aufnehmen. Deshalb müssen jetzt endlich die Akten offengelegt werden, um die notwendige demokratische Transparenz zu erreichen. Schließlich soll doch Vertrauen gebildet werden, wie immer wieder betont wird.
Wird nichts offengelegt, so besteht der Verdacht, dass so weitergemacht werden soll wie bisher. Dafür haben sich inzwischen die Anzeichen gemehrt, die Casinos sind voll.
Währenddesssen gibt es eine weitere Umverteilung von unten nach oben! Dabei lebt heute schon jedes fünfte Kind in Deutschland in Armut, während die reichsten zehn Prozent der Menschen 60 % des gesamten Vermögens besitzen. Doch die wachsende Kinderarmut kommt im Wahlkampf so gut wie nicht vor. Woran liegt das? …
Fest steht schon jetzt: Die nächste Finanzkrise wird unbezahlbar sein!
Dies und mehr unter www.attac.de
1 Kommentar bis jetzt“Lets make money” kostenlos in der Schauburg
Morgen abend zeigen wir in der Schauburg in Gelsenkirchen Buer den Film “Let’s make money” von Erwin Wagenhofer, der bereits mit “We feed the world” einen beeindruckenden Film über die Lebensmittelverteilung und die Hungerkrise gemacht hatte. In seinem neuen Film geht es um die Finanzkrise oder eher die Frage, wie es sein kann, das Geld ganz alleine “arbeitet” – was ja nicht wirklich funktionierte, wie wir jetzt erleben. Aber bevor ich hier weiter um den heißen Brei herum rede, einen Trailer zum Film und die Vorstellung des selben:
Was passiert mit unserem Geld? Dieser Frage geht der Filmemacher Erwin Wagenhofer in seinem neuen, aufrüttelnden Dokumentarfilm Let’s make MONEY nach. Dabei folgt er den Spuren unseres Geldes im weltweiten Finanzsystem.
Der Film zeigt, wie spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder indische Arbeiter Geld der Kapitalisten vermehren und dabei selbst bettelarm bleiben. Er zeigt uns aber auch Fondsmanager und Wirtschaftsbosse, die zum Wohle ihrer Aktionäre fremde Länder abgrasen – zumindest solange Löhne und Steuern niedrig sind und die Umwelt egal ist (www.letsmakemoney.at).
Los geht es um 20.30 Uhr in der Schauburg in Buer und wie schon gesagt, der Eintritt ist frei.
Im Anschluss findet eine Diskussion mit Sven Giegold statt, der auf Platz 4 der Grünen Europaliste kandidiert und Mitgründer von attac war.
Schreibe einen KommentarVom Wert der Krise
Die weltweite und tiefgreifende Krise ist kein Betriebsunfall wegen ökonomischer Sünden der Menschheit oder verursacht durch Fehlberechnungen von Experten. Die einfache Sicht der Vorgänge “Im Prinzip sei ja fast alles in Ordnung gewesen, wenn man nur mehr vernünftige Regeln gehabt hätte (warum hat man die eigentlich “vergessen”?)” ist daher unangemessen.
Das Wesen des weltweit durchgesetzten Neoliberalismus ist doch gerade die Regellosigkeit (zumindest weitgehend); darin besteht also sein Hauptcredo, was uns auch der zeitweise in den Medien geradezu omnipräsente Prof. Sinn immer wieder gern erzählte. Ein Neoliberalismus abzüglich der ihm vorgängigen und ihn nicht zuletzt ausmachenden Regellosigkeit ist etwas anderes, doch sicherlich kein Neoliberalismus mehr. Das System ist das Problem – und diese unbequeme und unangenehme Aussage wird sehr gern relativiert und weggeschoben.
Sicherlich hat Gier die Krise nicht allein ausgelöst. Sicherlich sind einige Menschen zu allen Zeiten gierig. Doch die Gier gepaart mit der Regellosigkeit (= dem Neoliberalismus) ergibt dann die explosive Mischung, nämlich die zügellose Gier, die sich steigert. Diese führt z.B. dazu, Menschen Kredite zu verkaufen, die sie dann nie und nimmermehr zurückzahlen können. Macht man das millionenfach .. s. USA.
Insgesamt wird hier eine typische, oberflächliche Position vorgeführt:: “Wir können schon so weitermachen wie bisher, wenn wir nur einige Regeln einführen.” Hinzu kommt das Märchen vom “freien Markt”. Das ist reichlich naiv und unrealistisch. Die Krise wird in ihrer tiefen Dimension nicht erfasst. Wir brauchen z.B. einen neuen Arbeitsbegriff, erweitert und von der reinen Lohnarbeit wegführend. Arbeit ist immer mehr die Arbeit der Ideen einschließlich ihrer Kommunikation. Die gesellschaftliche Frage “Was kostet das?” ist folglich zu ersetzen durch die grundlegendere Frage “Was ist es uns als Gesellschaft wert?”. Sie kann nur vor dem Hintergrund eines gemeinsamen Zieles beantwortet werden. Das Geld ist also Mittel zum Zweck und nicht Zweck an sich: Geld als Zweck an sich ist letztlich nichts wert.
Der Gedanke geht der Tat voraus, wie der Blitz dem Donner.
Heine
