Mit Bus und Bahn zum Schalke Spiel kostet bald extra – Wir hoffen nicht!

Eigentlich ist es bei vielen Veranstaltungen Usus, dass man mit der Eintrittskarte auch gleich die Fahrt dabei hat. Das war ein Grund, warum früher die Karten für die Spielemesse in Essen im Vorverkauf organisiert wurden und ich wage die These, dass auch für viele Schalker dies ein Grund ist, gemeinsam die 302 zur Arena zu besteigen und den ÖPNV zu benutzen. Mal ganz abgesehen davon, dass wohl auch ein Verkehrschaos ausbrechen würde, wenn die Besucher des Stadions alle mit Autos anreisen würden.

Ganz so schlimm wird es vielleicht nicht, aber für den Schalkefan kann es teurer werden, wenn man dieser Mitteilung von Schalke glauben kann:

Eine weitere Änderung gibt es bei der Möglichkeit, öffentliche Verkehrsmittel bei der An- und Abreise an Spieltagen zur VELTINS-Arena, zu nutzen. Dauerkarteninhaber konnten in den vergangenen Jahren aufgrund einer vom FC Schalke 04 mit der Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen Aktiengesellschaft (BOGESTRA) geschlossenen Vereinbarung am Spieltag ohne Entrichtung eines Fahrpreises mit VRR-Verkehrsmitteln (2. Klasse) an- und abreisen.

Diese Vereinbarung zwischen dem Verein und der BOGESTRA wird für die Saison 2011/2012 voraussichtlich nicht zustande kommen, da die von der BOGESTRA nunmehr geforderten Konditionen für den FC Schalke 04 nicht mehr tragbar sind.

Man kann ja mal durchrechnen: Da wird aus den 19 Euro, die ein Stehplatz als Tageskarte kostet, im günstigsten Fall 21,44 Euro – wenn man 4 weitere Mitfahrer auf einem Gruppenticket findet. Ansonsten sind es nochmal ca. 2 Euro mehr bei einem 4er Ticket – oder man schafft sich ein Monatsticket an. Naja, sei es drum. Es geht ja nicht um eine Tarifberatung hier und ganz ehrlich stelle ich es mir schon etwas lustig vor, wenn die Bogestra dann erst noch Tickets kontrollieren will, was angesichts des Andranges fast unmöglich sein dürfte.

Naja, abseits von Zusatzkosten und die Frage, wie man soetwas kontrollieren will ist das für Fans einfach nervig und für die Umwelt schädlich, wie Dennis Melerski in einer Pressemitteilung beschrieben hat:

„Wir führen in den städtischen Gremien die Diskussion über die Auswirkung des Verkehrs auf die Gesundheit der Bevölkerung Gelsenkirchens, sei es Feinstaub als auch Lärm. Die Befürchtung, dass durch die Auflösung des VRR-Vertrages mehr Personen mit dem Auto nach Gelsenkirchen fahren werden, ist nicht von der Hand zu weisen.“

Aber bleiben wir erstmal bei den Fans, denn ein wenig Hoffnung gibt es noch, schreibt die Bogestra doch:

Zurzeit kursieren Informationen in der Öffentlichkeit, bei denen der Eindruck entstehen könnte, dass die Gespräche über die Fortführung des KombiTickets (Eintrittskarte ist gleichzeitig Ticket zur An- und Abreise mit Bussen und Bahnen im VRR) zu Spielen des FC Schalke 04 zwischen dem Verein und der BOGESTRA AG bereits abgeschlossen sind. Tatsächlich wird jedoch in Kürze auf Vorstandsebene erstmals verhandelt. Zusammen mit vielen Fans ist die BOGESTRA AG sehr daran interessiert, dass es auch zukünftig ein KombiTicket für Spiele des FC Schalke 04 gibt, und wird wie auch in der Vergangenheit alles ihr Mögliche unternehmen, hierbei auch die Interessen des Vereins zu berücksichtigen.

Klingt nach einem ziemlichen Hickhack zwischen den beiden Verhandlungspartnern, der nun in die Öffentlichkeit getragen wird. Dennis fühlt sich dabei an anderes erinnert:

Irgendwie erinnert diese Berichterstattung an eine über die Vertragsauflösung eines sehr bekannten Schalke Spielers. Zwar sind in beiden Fällen die Fans auch betroffen. Das eine Mal in der Seele, das andere Mal aber im Geldbeutel.

Seiner Hoffnung, dass Schalke sich daran erinnert ein ökoprofit Unternehmen zu sein kann man sich eigentlich nur anschließen. Es wäre doch wirklich für alle das beste, wenn man eine Regelung findet. Fans können weiterhin schnell und unkompliziert zum Spiel, die Bogestra muss diese nicht kontrollieren und soll natürlich entsprechend entlohnt werden für die Fahrten und Schalke muss sich keine Gedanken darüber machen, wie man die Fans zum Stadion bekommt und wieder nach Hause. Außerdem bleibt trotz aller verkünderter Unverbindlichkeit des VRR Tickets doch die Frage, ob der Aufdruck auf den Dauertickets nicht doch ausgetauscht werden müsste, wenn dieses nicht mehr existiert – auch das würde dem FC Schalke 04 sicher den ein oder anderen Euro kosten.

Also: Nachverhandeln und dafür sorgen, dass man auch weiterhin mit seiner Dauerkarte oder dem Einzelticket zur Arena fahren kann.

Hier übrigens noch ein Bericht der WAZ zu dem Thema.

Schreibe einen Kommentar

Nahverkehrsplan und Haushalt

Letzte Woche Mittwoch war die erste Bezirksvertretungssitzung in diesem Jahr. Und mit dem Haushalt hatte sie gleich eine riesige Vorlage, eine zweite kam per CD – der aktuelle Entwurf zum Nahverkehrsplan in Gelsenkirchen. Beides ist nicht abschließend in der Bezirksvertretung geklärt worden, warum das so ist und dennoch einige Inhalte im Folgenden:

Nahverkehrsplan

Der Antrag zum Nahverkehrsplan war auch noch nicht inhaltlich, sondern formell. Hier sollte nur das Verfahren begonnen werden, in dem auch Organisationen wie der VCD oder ProBahn ihre Ansichten dazu äußern können. Dennoch wurde der Plan vorgestellt und ein Schwerpunkt im Bezirk Mitte ist Bismarck und der 382. Die Verbindungen ins östliche Bismarck sind zu schlecht, das Consolgelände zu schlecht angebunden und eine direkte Verbindung aus Bismarck zur Zoom Erlebniswelt fehlt. Zur Lösung sind entweder eine andere Routenführung des 382 gedacht oder eine neue Linie. Dies werde ich aber zum Sommer hin nochmal genauer darstellen, wenn der Entwurf des Nahverkehrsplans etwas weiter fortgeschritten ist. Die Verabschiedung ist für Juni/Juli geplant.

Einen Punkt den ich angesprochen, der aber m.E. unzureichend beantwortet wurde, ist die Anbindung am Hauptbahnhof im Abendbereich. Dort fahren sowohl die überregionalen Bahnen, wie auch Busse und U-Bahnen abends immer um halb bzw. voll ankommen und abfahren. Das kann natürlich perfekt sein, wenn der Bus um 56 ankommt und die Bahn um 02 abfährt.  Andersherum hängt man aber eine halbe Stunde am Bahnhof rum, an dem nicht mehr viel auf hat (angeblich nur ein türkischer Imbiss am Neumarkt) und das dem Sicherheitsgefühl nicht wirklich zuträglich ist.

Meine Frage in der Sitzung wurde damit beantwortet, dass man eine Priorisierung für den örtlichen Nahverkehr habe und erst dann auf überregionale Anschlüsse achte. Ich bin mir durchaus bewusst, dass eine Änderung am HBF beispielsweise um 15 Minuten im ÖPNV eine Wirkung auf ganz Gelsenkirchen hätte und nicht einfach ist. Aber einfach abtun werden wir das sicherlich auch nicht, dafür ist uns der Knotenpunkt doch zu wichtig. Den Vorschlag der Jusos, die die 302 für den Nachtexpress nutzen wollen, finde ich auch überlegenswert, macht aber auch erst dann wirklich Sinn, wenn nicht der Regionalzug zwei Minuten später ankommt.

Haushalt

Zum Haushalt kann man noch nicht viel sagen. Persönlich finde ich das Haushaltssicherungskonzept besser als das vom letzten Jahr, in dem noch so getan würde als könnte man etwas sparen und so unsere Schulden verringern. Das die Kürzung der Öffnungszeiten in Bürgercenten ebenso wenig bringt, wie die Einsparungen im Musiktheater, war uns schon im Vorfeld klar und führte damit folgerichtig auch zur Ablehnung des Haushaltes im letzten Jahr.

Dieses Jahr sind wir noch nicht zu einer abschließenden Bewertung gekommen, da sich ja erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen noch einiges ändern wird. Dementsprechend hatte ich mich bei der Bezirksvertretungssitzung auch noch enthalten – wie viele meiner Amtskollegen.

Nur zwei Anträge hatte ich eingebracht, die dem Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Rat weitergegeben wurden ohne Beschluss in der Bezirksvertretung. Zum einen hatte ich gefordert, dass Klimaschutz anders als bisher nicht nur in einem Teil des Haushalts als Ziel angesehen wird. Wer Klimaschutz ernsthaft betreiben will, muss dies auch beim Baurecht, der Städteplanung oder der Verkehrspolitik berücksichtigen und sollte eigentlich kein Problem haben dies auch dort als Ziel in den Haushalt aufzunehmen.

Der andere Antrag drehte sich um die Investitionenprioritätenliste. Hinter diesem begrifflichen Ungetüm befindet sich eine lange Liste von Investitionsmaßnahmen, die die Stadt angehen will. Je nach rechtlichen Rahmenbedingungen greift die Liste nur bis zum Posten 190. Die Sanierung von Spielplätzen, Straßenbäume und Außengelände von Kindertagesstätten sind unter diesem Punkt. Mein Antrag lautete diese drei Punkte weiter nach vorne zu ziehen, so dass sie in jedem Fall umgesetzt werden müssen. Die Einsparungen dafür dürften sich finden lassen. Soviel verändert sich in der Reihenfolge auch nicht zwingend, denn der Posten 190 – also der erste nicht berücksichtige Punkt – ist ein für 800.000 Euro eingeplanter Kauf für das neue Finanzzentrum – dabei sind dort viele Fragen offen. Wer will, kann sich diese Liste hier im Ratsinformationssystem der Stadt herunterladen.

Meine beiden Anträge zum Haushalt 2011 könnt ihr auch direkt herunterladen.

Weitere wichtige Dinge gab es in der Sitzung nicht mehr. Die nächste Sitzung ist am 23. März und behandelt – soviel steht schonmal fest – mit Sicherheit das Thema Prostitution. Den Bericht der Verwaltung zu dem Thema könnt ihr bei Interesse hier im Ratsinformationssystem erhalten.

Schreibe einen Kommentar

Schokoticket auch für SchülerInnen der Weiterbildungskollegs

Diese Woche war die Ungerechtigkeiten bei den Schülerfahrtkosten Thema im Landtag . SPD und Bündnis 90 / DIE GRÜNEN beantragten  eine Lösung für die Weiterbildungskollegs . Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen von CDU und FDP verabschiedet.

In Gelsenkirchen hatten im Juli bereits viele Schülerinnen und Schüler für den Fortbestand dieses Schokotickets für den zweiten Bildungsweg gefordert. In dem Antrag von SPD und Bündnis 90 / DIE GRÜNEN wurde die Landesregierung nun aufgefordert Maßnahmen zu ergreifen, um dieses Problem zu beseitigen. Auch für Gymnasiasten sollen Ungerechtigkeiten beendet werden, die dadurch entstanden, dass im Rah-men des G8-Abiturs der 10. Jahrgang dort zur Sekundarstufe II zählt und Schülerinnen und Schüler am Gymnasium bei den Fahrtkosten gegenüber anderen Schulformen benachteiligt sind.

Für Barbara Oehmichen, Vorstandssprecherin der GRÜNEN in Gelsenkirchen zeigt sich in dem Abstim-mungsverhalten erneut selektive Klientelpolitik von CDU und FDP:

„Während die CDU sich bei Gymnasiasten als Retter aufspielt, obwohl sie in der alten Regierung die ärger-lichen Fehler des G8-Abiturs verursacht hatte, sind ihr die Belange von Schülerinnen und Schülern an Weiterbildungskollegs egal. Diese erhalten seit dem neuen Schuljahr kein Schokoticket mehr. Hintergrund ist eine gesetzliche Lücke, denn die Weiterbildungskollegs fehlen in der Auflistung des Schulfinanzgesetzes. Die alte Landesregierung hatte die gesetzliche Anpassung nicht auf den Weg gebracht. Aus der Haltung ist nicht verwunderlich, dass CDU und FDP im Landtag den Antrag abgelehnt haben, die neue Regierung zum Handeln aufzufordern.“

Das Abstimmungsverhalten von CDU und FDP lässt sich laut Barbara Oehmichen kurz zusammenfassen: „Sozial sind CDU und FDP wohl nur, wenn es Gymnasiasten betrifft.“

Hier kann man sich den entsprechenden Antrag von SPD und GRÜNEN herunterladen.

(Quelle: Grüne Gelsenkirchen)

1 Kommentar bis jetzt

Demo für das Schokoticket

Heute nachmittag machten sich rund 100-120 junge Menschen vom Bahnhof auf den Weg zum VRR-Sitz in der Augustastraße und machten dort für gut eine Stunde ein Sit-In, während einige Personen mit dem Verkehrsunternehmen “verhandelten”. Hintergrund bildete die Entscheidung, das Schokoticket nicht mehr für Schulen des zweiten Bildungsweges anzubieten, so dass diese auf teurere Varianten für den ÖPNV umsteigen müssten. Die WDR Lokalzeit hatte gestern auch einen Beitrag dazu gebracht, der hier als Info dienen soll. Im Video taucht auch Sandra Latzke auf, die mit den Jusos Gelsenkirchen federführend an der Organisation der heutigen Demo beteiligt war. Ich habe mal ein wenig gefilmt und sowohl die Sprüche vor Ort, aber auch das Ergebnis des Gespräches mit dem VRR online gebracht. Eine HD Version dürfte heute abend nachgeliefert kommen, das iPhone läd leider nicht mit voller Auflösung hoch.

6 Kommentare

Grün macht mobil: Zeit für mehr Busse und Bahnen in Gelsenkirchen

Am 5. August 2009 bauen die Grünen in Gelsenkirchen eine mobile Bushaltestelle auf(GE-Buer, Goldbergplatz), um auf die Versäumnisse im ÖPNV aufmerksam zu machen. Die GRÜNEN wollen eine Ausbauoffensive für Busse und Bahnen und bezahlbare Mobilität für alle.

Neben der Grünen OB-Kandidatin Irene Mihalic wird auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen Landtagsfraktion NRW Sylvia Löhrmann vertreten sein.
Alle Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, von 15-17.30 Uhr über den ÖPNV in Gelsenkirchen zu diskutieren.

Schreibe einen Kommentar

Sozialticket vs. Bürgerticket

An verschiedenen Stellen – unter anderem den Kommentaren zum WAZ Artikel – wird das Sozialticket in direkter Verbindung zum Bürgerticket genannt, als wären das zwei Dinge, die sich gegenüberstehen. Die Grünen setzen sich in Gelsenkirchen aber sowohl für das Sozialtickets ein, wie auch für ein Bürgerticket. Wie ist das möglich? Ganz einfach: Es handelt sich im Prinzip um zwei Schritte: In der Praxis hat natürlich das Sozialticket vorrang, weil es schneller und drängender ist. Es bringt nichts, wenn sozial Schwache warten müssen, bis der mühsame Weg eines Bürgertickets abgeschlossen ist – dabei befindet sich dieses ja noch in der Konzeptionsphase. Und so arbeiten die Grünen im Sozialausschuss und überregional ganz konkret an der Überlegung, wie man ein solches Sozialticket auch in Gelsenkirchen hinbekommen kann. Und daneben finden wir einen kostenlosen ÖPNV auch so wichtig, dass wir diese Frage in Form eines Bürgertickets für alle Menschen weiter bearbeitet werden. Und weil man dort noch ganz am Anfang steht gibt es eben die Umfrage. Aber bis dahin ist es natürlich ein weiter Weg…

1 Kommentar bis jetzt

Umfrage zum Bürgerticket

Unter www.gruene-ge.de können Sie an einer Sommer-Umfrage-Aktion der Grünen zum Bürgerticket NRW teilnehmen. Hintergrund: Auf der letzen Landesdelegiertenkonferenz (LDK) haben die Grünen sich für die Konzeption eines Bürgertickets NRW ausgesprochen (siehe: http://hamm2008.gruene-nrw.de/Beschluss.1836+M5a982429dd5.0.html).

Das Bürgerticket soll allen Bügerinnen und Bürgern freie Fahrt mit dem ÖPNV in ganz NRW ermöglichen. Finanziert werden soll das durch eine solidarische Umlage. Eine grobe Rechnung hat ergeben, dass das je nach Ausgestaltung zwischen 15 und 20 Euro pro Erwachsene/n bedeutet.

Mit der Umfrage zum Bürgerticket soll die Meinung der Bürgerinnen und Bürger in die Konzeption des Tickets miteinbeziehen.Zu Gewinnen gibt es auch etwas: 3 Schöner Tag Tickets zur freien Fahrt in NRW.

Hier geht es direkt zur Umfrage…

2 Kommentare

Grüne Jugend gegen Handymusik

Jeder hat bestimmt schon erlebt, wie eine schön ruhige Bahnfahrt plötzlich durch laute Musik aus dem Nachbarabteil gestört wird: Oft will eine Gruppe Jugendliche nicht auf ihre Musik verzichten und “beglückt” auch gleichzeitig alle anderen Reisenden mit der Musik. Wenn man nicht den Mut hat, sich hier entgegen zu stellen, muss man entweder mit der Musik leben, umziehen oder selber die Ohrstöpsel herausholen. Und nicht nur in der großen anonymen Bahn ist dies der Fall, sondern auch in Bussen, wo Busfahrer eigentlich die Möglichkeit hätten auch direkt einzugreifen.

Dies hat auch die Grüne Jugend geärgert, die daraufhin einen offenen Brief an Bogestra und Deutsche Bahn geschickt hatte:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, die Grüne Jugend Gelsenkirchen – Jugendorganisation der Partei Bündnis 90/Die Grünen – zählen zu unseren wichtigsten Zielen unter anderem einen modernen Klima- und Umweltschutz, eine dementsprechende Verkehrspolitik weg von den Straßen und die freie Entfaltung jedes Einzelnen in einer selbst bestimmten Bürgergesellschaft. Sie – die Betreiber von ÖPNV und Fernverkehr auf der Schiene – könnten diesbezüglich somit eigentlich mit unserer festen Unterstützung in allen Bereichen rechnen, da Ihnen eine wichtige Position bei der Verwirklichung unserer Ziele zukommt: die Bahn / der ÖPNV als umweltfreundliches und klimaschonendes Verkehrsmittel garantiert die Mobilität vieler Bürger, die das Autofahren der Umwelt zuliebe reduzieren wollen oder keinen eigenen PKW besitzen. Da Letzteres gerade für Jugendliche, unsere Zielgruppe, gilt, sind diese auf besondere Weise davon abhängig, dass ihnen mit Bahnverkehr und ÖPNV eine verlässliche und bequeme Reisemöglichkeit zu Verfügung steht.

Über Verspätungen, Servicemangel und Kostenexplosion in ÖPNV und Bahnverkehr ist in der vergangenen Zeit allerorten nahezu ohne Unterlass geklagt worden – um so bezeichnender, dass uns als Bahnkunden im Zusammenhang mit Bus- und Bahnfahrten an erster Stelle ein ganz anderes Übel einfällt, welches jedem Ihrer Kunden leider zu Genüge bekannt sein wird: seit wenigen Jahren vermehrt sich die Anzahl der rücksichtslosen Fahrgäste, die allen anderen ihre laute Musik aufzwingen, stetig. Dennoch scheint niemand etwas gegen diese Plage, die sicherlich nicht viele Ihrer Kunden dazu bewegt, öfter als ansonsten nötig auf den PKW umzusteigen, unternehmen zu wollen oder zu können: Von Seiten der Mitreisenden darf sicherlich nicht erwartete werden, dass sie gegen Krawallmacher und Störenfriede vorgehen, wenn in den Medien immer wieder von Gewalttaten im Anschluss daran, dass jemand in Bus und Bahn dahingehend Zivilcourage bewiesen und die Tontäter auf ihr Fehlverhalten angesprochen hat. So fühlt sich klassischerweise jeder gestört, aber niemand wehrt sich dagegen. Aber auch von Ihnen – den eigentlich verantwortlichen Betreibern – kommt erstaunlich wenig Initiative, das Problem im eigenen Interesse zur Zufriedenheit der Kunden zu beseitigen: noch nicht einmal Fahrkartenkontrolleure oder Bahnhofspersonal machen sich die Mühe, ihr Hausrecht wahrzunehmen und die entsprechenden Personen in die Schranken zu weisen – zum Leidwesen all Ihrer sich rücksichtsvoll verhaltenden Kunden.

Da sich jedoch leider nicht jedes Mitglied unserer Gesellschaft aus eigenem Antrieb heraus nach dem Leitsatz Die Freiheit eines jeden endet dort, wo die das anderen beginnt verhält, sind die Verkehrsbetriebe dazu verpflichtet, dafür Sorge zu tragen, dass sich ihre Kunden zu jeder Zeit sicher und ungestört fühlen können. Es kann und darf schon aus gesundheitlichen Gründen nicht sein, dass die Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln dazu gezwungen werden, diese für Vielfahrer ernsthaft belastende Belästigung Tag für Tag zu erdulden oder sogar dazu genötigt sind, selbst laut Musik zu hören, um den Lärm der Mitreisenden wenigstens ansatzweise zu übertönen.

Die alltägliche Fahrt zu Arbeitsplatz, Schule oder Universität ist für viele Ihrer treusten Kunden aufgrund der massiven Lärmbelästigung durch Handymusik und in die Umgebung abstrahlende Kopfhörer längst zur Tortur geworden. Diese Zustände sind für die Grüne Jugend Gelsenkirchen und auch für einen Großteil der Bahn- und ÖPNV-Kunden unzumutbar. Aus diesem Grund fordern wir Sie hiermit auf, ihre Verantwortung als Betreibergesellschaften endlich angemessen wahrzunehmen und die Lebensqualität Ihrer Kunden nicht weiter durch das indiskutable Verhalten Weniger beschneiden zu lassen, denn es ist die Pflicht eines jeden Dienstleisters, die psychische und physische Gesundheit seiner Kunden bestmöglich zu schützen.

Wir haben Verständnis dafür, dass Finanzmittel gerade im Bereich des ÖPNV bedauerlicherweise stark begrenzt sind: dennoch muss es möglich sein, dafür zu sorgen, dass sich eine größere Zahl Ihrer Mitarbeiter dafür einsetzt, die Lärmbelästigung der Reisenden möglichst gering zu halten. Es muss klare Anweisungen gehen, auf die beschriebene Weise auffällig gewordene Fahrgäste dazu zu bewegen, ihr Fehlverhalten einzustellen und diese bei Missachtung dieser Aufforderung des Fahrzeuges zu verweisen.

Eindeutige Verbotsschilder in den Fahrzeugen und am Bahnhof mit dem Hinweis darauf, dass für andere Fahrgäste mithörbare Musik nicht geduldet wird, wären ein erster Schritt in die richtige Richtung, da auf diese Weise sowohl den belästigten Mitreisenden als auch Ihren Mitarbeitern eine erste Handhabe, gegen die Störer vorzugehen, gegeben wäre.

Die Grüne Jugend Gelsenkirchen will dafür ihrerseits ihr Handlungspotential ausnutzen und auf ihre Art mit dem Problem umgehen, indem sie in der nächsten Zeit auf Bus- und Bahnlinien in Gelsenkirchen und dem restlichen Ruhrgebiet Aktionen gegen die Belästigung der Fahrgäste durch laute Musik durchführen wird. Hierbei soll den Tätern ihr Fehlverhalten bewusst gemacht werden, indem die Mitglieder der Grünen Jugend ausnahmsweise und kurzfristig selbst ihre Handys dazu benutzen werden, neben den Störern laute Musik – aus Rücksicht auf die Ohren weiterer Mitreisender zur Abwechslung nicht Bushido und King Orgasmus One, sondern Klassik und Kindermusik – abzuspielen. Wir werden zudem mit den übrigen Fahrgästen in einen kommunikativen Austausch zu treten versuchen und diese mit Informationen ausstatten, wie man sich am besten effektiv und auf die eigene Sicherheit bedacht gegen störende Personen zur Wehr setzt.

In der Hoffnung auf eine baldige Besserung

Ihre Grüne Jugend Gelsenkirchen

Offener Brief als PDF Datei

Weitere Informationen zur Aktion folgen in Kürze hier unter gruenes-gelsenkirchen.de.

2 Kommentare

Gelsenkirchener Grüne für ein Bürger Ticket NRW

Auf ihrer Mitgliederversammlung vom 02.04. haben sich die Gelsenkirchener Grünen mit großer Mehrheit für die Einführung eines Bürgertickets für ganz Nordrhein-Westfalen ausgesprochen. Einen entsprechenden Antrag für die anstehende Landesdelegiertenkonferenz (Hamm, 12./13.4.) hatte Irene Mihalic, umweltpolitische Sprecherin des Kreisverbandes, vorher erstellt.

Das Bürgerticket soll auf Basis einer solidarischen Finanzierung die freie Nutzung des gesamten ÖPNV in NRW ermöglichen. „Die aktuelle Diskussion um ein Sozialticket hat gezeigt, dass der Wunsch nach Teilhabe am gesellschaftlichen Leben mit dem Bedürfnis nach Mobilität einhergeht.“, so Mihalic, „Mit dem Bürger Ticket NRW wollen wir den Zugang zur Teilhabe grundsätzlich ermöglichen und gleichzeitig ökologische Aspekte berücksichtigen.“ Mihalic erwartet eine verstärkte Nutzung des ÖPNV was unter klimapolitischen Gesichtspunkten wünschenswert sei.

„Das Bürger Ticket NRW ist im wörtlichen Sinn ein Konzept, das bewegt.“, ist sich Mihalic schließlich sicher und setzt deshalb auf viel Zustimmung auf dem Grünen Landesparteitag.

Schreibe einen Kommentar