Mal einige Gedanken zur Juso CD

In den letzten Tagen muss man sich ja fragen, welche gewaltige Bedeutung 3:27 Minuten haben können. So lange ist jedenfalls das Musikstück “Bombermayne” von “Alper Gino”, welches auf der CD “GErockt” von Jusos und Falken zu finden ist. Die WAZ berichtete es wäre gewaltverherrlichend und zitierte folgende Zeilen:

„Ich gebe dir, was du brauchst
Meine Faust taucht auf
Auf den Kopf, in den Bauch
Kopfnuss statt Kuss
Ich bin hier nicht auf Brautschau
Doch wenn ich mit dir fertig bin
fick ich deine Braut auch.“

Die Junge Union reagierte umgehend und forderte die Einstampfung des Mediums und machte spätestens damit die Sache zu einem Politikum. In einer ersten Stellungnahme erklärten die Jusos kurz darauf, dass hier reale Probleme bearbeitet würden und es handle sich eben um Kunstfreiheit. Zu dem Zeitpunkt hatte ich das Lied einmal bei der Grünen Jugend angefangen zu hören (aber nicht zu ende) und dachte einfach nur, dass dies ein wackeliger, aber doch plausibler Weg wäre, hier aus der Nummer wieder raus zu kommen.

Gestern gab es einen Artikel dazu noch in der BILD Zeitung, in dem Sebastian Kolkau mit den Worten zitiert wurde: “In dem Song geht es um Kritik am herrschenden System.” Und ich fragte mich zunächst, ob er da vielleicht falsch wiedergegeben wurde, denn bei dem was ich von dem Lied kannte konnte ich es nur für etwas überzogen halten.

Nach einigen Diskussionen bei Facebook und im WAZ Forum muss ich dies ein wenig relativieren, denn man kann – wenn auch mit etwas Wohlwollen – durchaus kritische Elemente in dem Lied finden. So redet er davon, dass er “krank” sei, ohne in der Psychatrie gewesen zu sein oder am Ende meinte nicht mehr Reimen zu müssen.

Aber dennoch: Wenn es Satire sein soll, ist sie ganz offensichtlich misslungen. Dafür hätte am Ende die Überspitzung deutlicher werden müssen und die Gewichtung der Kritik zum üblichen Gangsterrap deutlicher werden müssen.

Unabhängig davon, ob man es nun als Satire sieht oder als gewaltverherrlichenden Song ist das Ganze jedenfalls unnötig aufgebauscht worden.
Ich für meinen Teil weiss nicht, wie ich das Lied nun einordnen soll. Selbst wenn man es als aggressiven Rap betrachtet ist es meines Erachtens ein politischer Fehltritt, aber keineswegs der Skandal zu dem er gemacht wird. Schließlich ist solche Musik – so bedauerlich man es finden mag – wirklich ein Teil der Jugendkultur. Als politische Jugendorganisation sollte man dann natürlich ein wenig mehr Fingerspitzengefühl haben, aber wie gesagt: Ein Skandal wäre es selbst dann nicht.

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