“Was tun gegen Rechtsextremismus?”
Januar 8, 2008 1 CommentIm Frühsommer 2007 hatten wir im Grünen Büro die Bundestagsgrüne Monika Lazar zu Gast und zogen eine zwar gut besuchte, vom Ergebnis her aber eher maue, Diskussionsveranstaltung zum Thema Rechtsextremismus durch.
Dadurch und durch einen darauffolgenden Presseartikel in der WAZ, fühlte sich unser Sprecher Wolfgang Küppers dazu motiviert in einem öffentlichen Forum (WAZ-Forum) allen Ernstes die Frage zu stellen:
“Kampf dem Rechtsextremismus – Aber wie?”
Nun, das Ergebnis war erwartungsgemäß nicht das was sich Wolfgang vorgestellt hat, gibt aber m.E. einen guten Überblick darüber, wo die eigentlichen Probleme mit dem Rechtsextremismus derzeit liegen. Wer mag kann sich den Schmonz ja gerne durchlesen. Ich hingegen habe da wenig Lust mehr drauf und deswegen leistete ich mir gestern eine Publikumsbeschimpfung, welche ich euch auch hier nicht vorenthalten möchte.
Denn irgendwie gilt sie nicht nur für Onlineforen großer Tageszeitungen….
Tags: Monika Lazar, Rechtsextremismus, WAZ-Form, Wolfgang Küppers…Ansonsten ist dieser Thread langsam wirklich allerletzte Kajüte. Hier wird mit Zahlen hantiert die es nicht gibt und mich permanent mit den diversen “gefühlten” Bedrohungen irgendwelcher Mitbürger herum zu plagen, welche diese dann an Menschengruppen festmachen die ihnen fremd sind…
Das nervt einfach.Ich habe hier kaum Beiträge gelesen die auch nur annähernd ernsthaft und konstruktiv sich mit dem Thema beschäftigt hätten. Was tun gegen Rechtsextremismus…
Was kam darauf? Islamfaschismus. Kriminelle Ausländer (?). Die böse Türken. Und so weiter. Ungeachtet der Sinnhaftigkeit jener Themen:Sie alle dienten nicht dem Thread. Sie alle haben nichts anderes getan als RECHTSEXTREMISMUS VERTEIDIGT, ja doch, keine Widerrede, egal ob nun Nazi oder nicht, genau dies ist hier passiert.
Ein akutes problem in Beziehung zu setzen mit anderen akuten Problemen und das eine mit dem anderen zu erklären ist nun einmal: Eine Relativierung.Und eine sachlich falsche dazu. Rechtsradikalismus gibt es in der BRD nicht wegen “kriminellen Ausländern” oder diversen U-Bahnerlebnissen. Rechtsradikalismus gibt es schon länger als U-Bahnen.
Wer will hier über kriminelle Ausländer reden? Schön, macht ein Thema dazu auf, schnappt euch die Polizeistatistik dazu und lasst uns analysieren.
Wer will ernsthaft über Rechtsradikalismus reden?…
Tja, möglicherweise sollten wir einfach darin übereinkommen das der generelle WAZ-Forumuser überhaupt nicht in der Lage ist sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und dann sollten wir diese auch nicht mehr überfordern.

Hallo Dennis,
ich fand den Threat zwar auch mehr als chaotisch und unter der Gürtellinie, das ist war. Jedoch hat sich das Forumsmitglied ralfred67 die Mühe gemacht, die Essentials aus den ersten sieben Seiten zusammenzufassen. Das fand ich nicht schlecht, darum füge ich ihn anschließend ein:
Ich habe hier mal (soweit es mir objektiv möglich ist, binn auch nur ein Mensch) konstruktive Äusserungen zum Thema zusammen gefasst:
“wkueppers:
Man dürfe (soziale) Strukturen nicht wegbrechen lassen, damit die Rechten nicht in die Lücke stoßen, lautete eine Forderung. Bei Bildung und Erziehung müsse der Hebel angesetzt werden, hieß es. Und: Zugänge zu den Jugendkulturen müssten gefunden werden. Oder: Die Städte sollten eine zentrale Stelle gegen Rechts einrichten. Die beiden Groß-Koalitionäre SPD und vor allem CDU müssten mehr tun, sagte ein Kritiker. Ein anderer warnte davor, Antifaschisten auszugrenzen. “Wir müssen den Kampf um die Köpfe gewinnen”, lautete ein Appell. Auch der Ruf nach einem NPD-Verbot wurde laut.
Einbeziehung der Initiativen gegen Rechtsextremismus
Schaffung einer Stelle in der Stadtverwaltung in diesem Bereich
Teilnahme von Gelsenkirchen an landes- und bundesweiten Programmen
Rechtsextremismus zum Ausschlussgrund aus Vereinen machen
Verbesserung der Dokumentations- und Aufklärungsarbeit
Frühzeitige Erziehung zur Demokratie in Kindergärten und Schulen (heißt vor Allem Konflikte demokratisch lösen)
Menschen zur Zivilcourage ermutigen, damit sie rechten Parolen im Alltag sofort entgegen treten
Verbot der NPD
Das sind die wichtigen Punkte, die mir in Erinnerung geblieben sind. Sie richten sich gerade an alle, die im politischen Raum mit Rechtsextremismus zu tun haben. Hier kann jede Partei, Initiative oder Verein seine Arbeit noch verbessern. Wichtig ist dabei der Austausch untereinander. Dafür war die Veranstaltung am Mittwoch ein guter Anfang.
pallor:
Es gab noch die bitte um Informationsveranstalltung wo genau aufgezeigt wird wie sich die Rechten tarnen, gerade in Zusammenarbeit mit der VHS.
Also die 3 Kämpfe:
Kampf um die Parlamente, durch eine echte Alternative und die Zerschlagung aller Faschistischen Organisationen.
Kampf um die Strasse, in dem wir Naziaufmärsche verhindern und Infostände behindern.
Kampf um die Köpfe, durch massive Aufklärung und vor allem eine demokratisierung der Kindererziehung und bildung.(Was effektiv heissen muss mehr Geld für die Kinder)
ralfred67:
Kampf um die Köpfe, durch massive Aufklärung und vor allem eine demokratisierung der Kindererziehung und bildung.(Was effektiv heissen muss mehr Geld für die Kinder)
Das gefällt mir. Dafür bin ich als Vater und Steuerzahler auch bereit etwas mehr zu leisten/zahlen.
wkueppers:
Den letzten Punkt halte ich für besonders wichtig. Wer frühzeitig lernt, mit demokratischen Mitteln Konflikte zu lösen, braucht keine Rechten Parolen: Probleme können ausdiskutiert werden, Verhaltensregeln gemeinsam vereinbart werden, Folgen von Fehlverhalten können verdeutlicht werden.
pallor:
3. Natürlich dürfen Rechte keine Demokratischen Mittel z.b. Meinungsfreiheit genießen.
Dies liegt an den Lehren aus der Weimarer Republik das die Demokratie aktiv für die Demokratie und die Menschenrechte kämpfen muss, gegen Subjekte die diese abschaffen wollen.
movie1:
Derzeitig sehe ich vor allem no-go-areas für Deutsche – die einfach nur etwas haben, was andere haben wollen ohne dafür etwas zu leisten. Und wenn es nur ein 2-stelliger Eurobetrag ist + elektronisches Spielzeug.
Linksradikale Kapuzendemokraten werden nicht dadurch sympathisch, das sie durch fröhliche Antifa-Menschenjagd in gleicher Weise Terror verbreiten wie rechtsextreme Springerstiefel-Demokraten, durch fröhliche Anti-Antifa-Menschenjagd.
In Ermangelung eines artgerechten Gegeners werden zeitweilig Ordnungshüter ein Ziel von beiden Gruppierungen, wobei die schwarz vermummten Linksradikalen zweifellos in einer Mannstärke auftreten, die die rechte Szene deftig übertrifft.
Den Holocaust zu leugnen ist noch eine andere (Straf-)Sache.
Es ist müßig darüber zu diskutieren, welche Gefahr realer ist. Fakt ist, sie ist latent vorhanden. Dagegen müssen sich alle Bemühungen richten – gewaltfrei.
Das Gewaltmonopol obliegt der Polizei, zur Wahrung der inneren Sicherheit und zur Verbrechensbekämpfung.
Gleichgültig, von wem diese begangen werden.
movie1:
mit dietmarkus Worten: gebt ihnen Arbeit
mit drbergers Worten : Wülfrather Kalk-Sandsteinwerke
dennisbartel:
Gebt ihnen was womit sie sich identifizieren können. Was anderes als das was sie gerade haben.
Es gibt auch arbeitende Faschos&Rest. Ohne Ende.
pallor:
Mein Vorschlag:
- Demokratische Bildung für alle Menschen, kostenlos.
- Eine Soziale Absicherung z.b. durch das Bedingungslose Grundeinkommen
- Mehr direkte Demokratie, damit Menschen wieder erkennen das sie Einfluss haben
- Verbot aller Faschistischen Organisationen und Medien
zimmerra:
deswegen sollte man sich vor gewalltbereiten aus allen richtungen vor acht nehmen, nie wieder eine diktatur auf dem boden der brd.
reinigungsdienst:
Bildung:
Wie willst du die Neonazi Hochschulgruppen noch bilden?
Oder anders, Bildung / Aufklärung ist wichtig, verhindert aber nicht einen Bodensatz von Nazianfälligen.
Soziale Absicherung:
Siehe Bildung
Direkte Demokratie:
Todesstrafendiskussion,
Verbot aller Organisationen etc.
Verhindert nicht, erschwert nur.
Was mir fehlt, ist ein kulturelles Identifikationsangebot für diese Jugendlichen. Ich bin allerdings völlig ratlos, wie man das Wut- Zorn- und Aggressionspotential dieser Menschen umlenken kann.
Da wird man mit “feminisierten” demokratischen Angeboten nicht weit kommen.
Was mir fehlt, ist eine Strategie gegen die schleichende Ausweitung “Befreiter Zonen”, die alle Ebenen umfasst.
Mehr bürgerschaftliches demokratisches Engagement, mehr politisches, soziales Engament usw.
Ehrenamtsagentur ist z.B. eine Möglichkeit, um auf diesen Feldern den Nazis das Wasser abzugraben.
Ein bis zwei Generationen sind sicherlich an die Nazis verloren und wir müssen lernen, mit diesen Haßerfüllten Menschen zu leben.
dietmarku:
Ein Verbot sämtlicher faschistischer Organisationen ist deshalb eine Notwendigkeit.
Natürlich ist nicht jeder der sich bestimmte rechte Argumentationen zu Eigen macht, automatisch ein Nazi. Da sollten man schon differenzieren können.
movie1:
Es gibt keine Rechtfertigung von Gewalt.
Es sei denn, die Gewalt, die die Bürger bedroht, rechtsstaatlich zu unterbinden.”
Die fünfzehn Seiten danach haben mich dann nicht mehr interessiert.