Weitere Anmerkungen zu Schule und Bildung

Meine Anmerkungen gestern zum Koalitionsvertrag haben vor allem die Schulstruktur in den Mittelpunkt gestellt. Um nicht missverstanden zu werden: Mit der Gründung einer Gesamtschule ist noch lange nicht die Garantie gegeben, dass es eine gute Schule wird. Natürlich gibt es gute und schlechte Gesamtschulen – so wie es gute und schlechte Gymnasien gibt usw. Einige Voraussetzungen für das Gelingen von Schule kann die Politik schaffen, vor allem eine gute räumliche und personelle Ausstattung. In dem Zusammenhang verdient folgende Passage aus dem Koalitionsvertrag besondere Beachtung: (Wir werden) “auch die sozialräumlichen Gegebenheiten beachten… Die derzeitige Verteilung von Zuschlägen nach dem Sozialindex wollen wir
auf Wirksamkeit und Effizienz hin wissenschaftlich auswerten und optimieren.”
Zur Raumausstattung: Eine Ganztagsschule, die mehr sein will als bloßer Lernort, braucht eine Mensa, möglichst mit eigener Küche, Freizeiträume, erweiterte Sportmöglichkeiten, Rückzugsmöglichkeiten, eine Bibliothek als Selbstlernzentrum…
Zur personellen Ausstattung: Es geht nicht nur um Zahlen und Relationen. Wichtig wäre ein Schulleiter/eine Schulleiterin, der/die es versteht, das Kollegium,aber auch die Eltern und Schüler/innen auf den Weg der Schulentwicklung mitzunehmen, der/die zuhören kann und auch fremde Ideen aufzugreifen vermag. Wichtitg wäre das, was man das “Schulethos”, den “Geist” einer Schule nennen könnte, einen Geist der Wertschätzung jedes Einzelnen, einen Teamgeist im Kollegium, der das Einhzelkämpferdasein überwindet. Und wichtig ist natürlich auch, dass zumindest ein Teil des Kollegiums bereits Gesamtschulerfahrung mitbringt und dass alle Lehrer und Lehrerinnen durch Fortbildungen auf das Unterrichten in heterogenen Lerngruppen vorbereitet werden.
Weitere Anregungen zur “guten Schule” kann folgendes Papier bieten, das ebenfalls aus der “Bildungsoffensive Hassel” kommt:Hassel 4

Fotoquelle: “Eine Schule für Alle” Titelbild von den Grünen in Sachsen unter CC -Lizenz

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PaulHumann ist Mitglied des Kreisvorstandes. Mitbegründer der Gesamtschule Berger feld (1969). Zuletzt Gesamtschulleiter in Essen-Borbeck (bis 1999). Seitdem Pensionär im Unruhestand

2 Kommentare

  1. BlogBildung.net sagte am  August 16th, 2010   10:53

    Sie schreiben ganz richtig: “Mit der Gründung einer Gesamtschule ist noch lange nicht die Garantie gegeben, dass es eine gute Schule wird.”
    Viel eher müssten Sie doch aufgrund der Ergebnisse der Bildungsforschung speziell in Hinsicht auf NRW zum dem Schluss kommen, dass es wahrscheinlich ist, dass eine neue Gesamtschule keines der gegebenen Versprechen einlösen wird. (Sicher kennen Sie als ehemaliger Gesamtschulleiter die Seiten Ihres Kollegen Ulrich Sprenger zu diesem Thema).

    Ich frage mich – und deshalb habe ich ein eigenes Blog gestartet – warum nach wie vor die Gesamtschule als etwas Neues dargestellt und damit in der Öffentlichkeit offenbar automatisch als etwas Gutes angesehen wird.

    Wenn ich mir so ansehe, was ihrer Meinung nach zu einer guten Gesamtschule an Finanz- und Personalaussatttung gehört, dann wundert mich der Erfolg dieser Schulen nicht. Daher möchte ich betonen: Eine neue Schulstruktur bringt keine besseren Schülerleistungen mit sich. Jeder Kampf für eine neue Struktur (wie in Hamburg) ist nutzlos und wird auf Ablehnung stoßen. Wieviel Geld hat der erfolglose Reformversuch in Hamburg verschlungen? Wieviel (jetzt nur noch) Stadtteilschulen und Gymnasien hätten von diesem in den Schulkrieg gesteckten Geld profitieren können?

  2. Paul Humann sagte am  September 4th, 2010   19:04

    Nicht die Gesamtschule steht unter Rechtfertigungszwang, sondern das dreigliedrige Schulsystem, der deutsche Sonderweg.Die frühe Aufteilung der Schüler/innen nach dem 4. Schuljahr beruht auf einem hanebüchenen Begabungsbegriff und führt dazu, dass in keinem vergleichbaren Industrieland der Schulerfolg derart von der familiären Herkunft bestimmt wird wie in Deutschland. Die behauptete Durchlässigkeit des Systems sieht so aus, dass auf einen “Aufsteiger” 9 “Absteiger” kommen. Die Zuweisung zur Hauptschule wird von den Betroffenen als Stigmatisierung empfunden und erweist sich als self-fulfilling-prophecy: Wem mit 10 Jahren bescheinigt wird, dass es zu mehr als dem Hauptschulabschluss (wenn überhaupt) bei ihm nicht reicht, der stellt sich darauf ein, und dann reicht es tatsächlich nicht für mehr. Das ließe sich ja noch ertragen, wenn der Hauptschulabschluss in unserer Arbeitswelt noch irgendetwas wert wäre.
    Dass man mit dem Hauptschulabschluss heute so gut wie keine Chance auf einen Ausbildungsplatz hat, macht doch überdeutlich, dass das ganze System dysfunktional geworden ist. Den Gymnasien und überhaupt dem ganzen Bildungsbürgertum kann das egal sein, mir ist es nicht egal.

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